Jodel U2V HB-SVT, S/N 23
Die Jodel HB-SVT wurde 1962 von ‘Walter Uetz Flugmechanik’ auf dem Flugplatz Speck-Fehraltorf hergestellt. Dieses Flugzeug war das letzte einer Serie von Jodels, welche keinen Klickflügel hatten, dafür aber mit Flügeltanks ausgerüstet waren.
Die HB-SVT war mit einem Continental O-200A Motor ausgerüstet, dazu kam ein Propeller aus dem Hause EVRA vom Typ D11284e.


Der Bau des Flugzeuges wurde vom BAZL überwacht, was in den technischen Akten bestätigt wurde.
 

Auf dieser Aufnahme wurde der Stoffel zusammen mit der HB-SVT zentriert:
 

Vor dem ersten Flug wurde ein Fotographie gemacht, im Hintergrund rechts der Stoffel, 928müM.
 
Die HB-SVT gehörte anfänglich den Herren Hans Schori aus Stäfa und A. Däscher aus Feldmeilen, ab 1968 war dann Hans Schori alleiniger Besitzer. Das Flugzeug wurde ab Speck-Fehraltorf betrieben.

Im Jahre 1977 wurde ein anderer Propeller installiert, ein Hoffmann HOCO F H2.

Im Verlaufe des Jahres 1978 wurde die HB-SVT anlässlich einer Notlandung schwer beschädigt. Der Pilot Hans Schori war etwas optimistisch beim Beurteilen der nicht sehr genauen Tankanzeigen, was dazu führte, dass ihm auf dem Flug von Birrfeld nach Speck über der Stadt Zürich das Benzin ausging. Die Notlandung auf einem Fussballplatz in Schlieren gelang, ohne dass die Insassen verletzt wurden.

Das beschädigte Flugzeug wurde anschliessend von Franz Suter aus Zürich wieder aufgebaut. Der Arbeitsbericht über den von Herrn Franz Suter offenbar selbst vorgenommenen Wiederaufbau sagt einiges über die Beschädigungen aus.
 


Anlässlich dieser Reparaturen wurde die HB-SVT mit einem Propeller von "Schneider Muttenz" versehen. Das Flugzeug war ab 1980 in Triengen stationiert, von wo aus es vom Besitzer Franz Suter bis ins Jahr 1994 rege geflogen wurde. Bei einem Totalstundenstand von ca. 1800h wurde das Flugzeug im Jahre 1994 an Edi Weilenmann verkauft. Edi war zu dieser Zeit Leiter des Avionik-Shops der Firma Pilatus in Stans. Er flog viel mit der HB-SVT und erzielte einige Verbesserungen des Flugzeuges. So wurde im Januar 1996 wieder der ursprüngliche Propellertyp EVRA D11-28-4C eingebaut.

Edi Weilenmann baute ein komplett neues Instrumentenpanel in die HB-SVT. Nachdem ihn Anfangs des Jahres 2000 der Fliegertod mit einem anderen Flugzeug ereilte, wurde das Flugzeug von Claudio Bucher aus Sursee gekauft.

Im Mai 2004 war das Flugzeug wieder zum Verkauf ausgeschrieben. Weil der Wiederaufbau meines HB-SUV nur schleppend vorwärts ging, interessierte ich mich für den HB-SVT als Übergangslösung bis zur Wiederinbetriebnahme des HB-SUV.

Am 24. Mai wurde ich mit Herrn Claudio Bucher handelseinig und kaufte ihm den HB-SVT bei einem Gesamtstundenstand von 2511:18h ab.
 

Übergabe des HB-SVT am 24. Mai 2004 in Triengen, rechts der Verkäufer Claudio Bucher.
 

Das Panel des HB-SVT sah zu diesem Zeitpunkt schon recht modern aus:
 

Äusserlich war der HB-SVT ansprechend, wenn auch die Farbe ziemlich matt war.
 
Um das Flugzeug im Charter- und Schulbetrieb einsetzen zu können, musste ich rasch einige Verbesserungen realisieren: Einbau eines ELT, eines Intercom’s, dazu musste ein Stundenzähler her. So stand die HB-SVT schon kurz nach ihrer Beschaffung bei Avionitec in Zürich, wo die entsprechenden Einbauten gemacht wurden. Dabei entdeckten wir auch einige Unstimmigkeiten in den Papieren, so waren z.B. in der Radiokonzession des BAKOM noch Funkgeräte aus längst vergangenen Zeiten eingetragen. Die unterdessen von Edi Weilenmann eingebauten Geräte waren weder beim BAKOM angemeldet noch in der Schweiz zugelassen. Mit viel Aufwand konnten alle diese Probleme gelöst werden. Ende August 2004 waren alle Papiere des HB-SVT korrekt und auf dem neuesten Stand.
 

Ganz rechts am Instrumentenpanel wurden Intercom und Stundenzähler eingebaut.
Schon Anfangs Juni machte die HB-SVT eine grosse Reise nach Skandinavien und ans Nordkap. Mit Ausnahme eines Problems mit der Parkbremse lief die HB-SVT auf ihrem ersten grossen Auslandflug während fast 45 Flugstunden perfekt.

Um die Landeeigenschaften zu verbessern hatte ich die Idee, den Spalt zwischen Höhenruder und Höhenflosse abzukleben.
 

Diese Massnahme, welche bisher bei allen meinen Jodel’s erfolgreich war, führte auch beim HB-SVT zu einem sehr guten und angenehmen Landeverhalten. Leider war die erste Variante der Spaltabklebung nur von kurzer Dauer, Fritz Fahrni musste noch einen Anlauf nehmen, das neue rote Band war dann aber den Belastungen gewachsen.
 

Schon in den ersten Wochen des Betriebs wuchs der HB-SVT unseren Grundschülern ans Herz. Diverse erste Soloflüge, 270km-Navigationsflüge usw. wurden mit dem HB-SVT absolviert. Omar Asmin aus St. Gallen war der erste Grundschüler, der auf dem HB-SVT seinen ersten Soloflug absolvierte.
 

Noch waren aber einige technische Snag’s vorhanden, so ging z.B. die Seiterrudertrimmung nicht, weil das Kabel verhockt war. Im weiteren war die HB-SVT in der Lärmkategorie B, was hohe Landetaxen und sogar Betriebseinschränkungen auf gewissen Flugplätzen mit sich brachte. Weil die HB-SVT in der Zeit vom Kauf Ende Mai 2004 bis im Oktober 2004 über 200h in der Luft war und somit etwas Geld einflog, konnte ich für die geplante 100h Kontrolle Mitte Oktober alle offenen Item’s zur Reparatur in Auftrag geben.
Die in der Mittelkonsole angebrachten Trimmhebel sollten durch eine Blende geschützt werden, ein neues Seitenrudertrimmkabel musste eingezogen werden und ein neuer Propeller vom Typ Sensenich 69CK-0-52 wurde bestellt, um den HB-SVT in die leiseste Lärmklasse D zu bringen. Das für den HB-SVT geplante und beschaffte Garmin 295 GPS sollte installiert werden, so dass dieses Flugzeug auch für lange Reiseflüge ideal ausgerüstet war. Alle diese Arbeiten wurden geplant für die Standzeit während der 100h Kontrolle vom 15.-17. Oktober 2004.
 

Hier die installierten Schutzblenden für die Trimmhebel in der Mittelkonsole:

Der neue Propeller:

Und schliesslich das Panel mit dem neu installierten Garmin 295:
Alle waren begeistert vom ‚neuen’ HB-SVT. Leider währte die Freude nicht lange. Schon einen Monat nach dem Abschluss aller dieser Arbeiten, am selben Tag an dem das neue Lärmzeugnis mit der Bestätigung der Lärmklasse D eintraf, rollte ein Fluglehrer mit seinem auf dem zweiten Flug befindlichen Flugschüler ins Hangartor hinein. Gesamtstundenstand des HB-SVT war zu diesem Zeitpunkt 2746:21h, somit war dieser herrliche Jodel in den knapp 6 Monaten, in denen er im Rahmen der Stoffel Aviation eingesetzt war, 235:03h in der Luft.

Der neue Propeller wurde irreparabel beschädigt, der Motor musste ausgebaut und einer "sudden stoppage inspection" und der Motorbock einer Risskontrolle unterzogen werden.

Anlässlich der "sudden stoppage inspection" wurde ein Riss in der Kurbelwelle festgestellt. Weil diese von einem alten Typ war und die Pleuel nicht auf eine neue Kurbelwelle gepasst hätten, ergab die Offerte für eine Motorreparatur oder eine Motorrevision zusammen mit den übrigen anfallenden Arbeiten Beträge im Bereich von CHF 38'000.- bis 50'000.-. Weil ich das Flugzeug, nachdem unterdessen der HB-SUV wieder flügge geworden war, verkaufen wollte und musste, gab es nur wenige Optionen:

1. Zerlegen und Stilllegen des Flugzeuges
2. Reparaturen alle ausführen lassen und das Flugzeug dann zu einem höheren Preis,
    aber mit neuem Motor (firewall forward alles neu) zu verkaufen
 
Äusserlich war dem HB-SVT fast nichts anzusehen, nur der Schaden am Propeller, verursacht durch die Kollision mit der Hangartürfalle, war gut sichtbar:
 

... dafür sehr gut sichtbar, peinlich, peinlich, das Hangartor ...

Auf meine Inserate auf verschiedenen Flugplätzen sowie eine Ausschreibung im internen Info-Blatt der AAA (Antique Airplane Assossiation) meldeten sich einige Interessenten. Am 11. Februar entschied sich Hans Furrer aus Oberwil BL, ein pensionierter MD-11 Kapitän und bereits Besitzer eines Blériot und eines Fairchilds, den HB-SVT zu kaufen. Wir vereinbarten, dass der HB-SVT neben der Rissprüfung des Motorenträgers einen Conti O-200A ab Grundüberholung sowie einen neuen Propeller des gleichen Typ’s (Sensenich) erhalten würde.
Motor und Propeller sind bestellt und sollten am 4. März 2004 in der Speck eintreffen. Wenn alles klappt wie geplant, dann ist der HB-SVT am 11. März wieder flugbereit und wird die nächsten Jahre seines bewegten Flugzeuglebens in Basel-Habsheim stationiert sein.
 

Martin Gautschi, Hittnau, 15. Februar 2005